Es war der 8. August 2025, ein typischer Hochsommertag am 32. Badwöhrer-Hock – Internationales Schaufahren der Modellschiffe, organisiert vom Verein MSK St. Peter.
Das Auto war noch vollgepackt mit den Vereinsmodellen des Modellbauvereins Modelllabor, als ich mit meinen Kollegen über das Gelände schlenderte und die Aussteller begrüsste.
Zwischen all den perfekten Modellen fiel mir an einem der Stände eine kleine Verkaufsecke auf – unscheinbar, aber für Modellbauer sofort spannend.
Dort stand ein GFK-Segelboot, äusserlich gezeichnet, aber mit viel Potenzial.
Auf dem Rumpf prangte der Name „Discovery“, das Baujahr und der Hersteller waren leider nicht mehr ersichtlich.
Aufgrund der Form und Proportionen dürfte es sich jedoch um ein Boot aus der Klasse kleiner Freizeitmodelle handeln, wie sie gegen Ende der 1990er und Anfang der 2000er häufig verkauft wurden.
Der Rumpf war solide, alle wesentlichen Komponenten vorhanden, ein klassischer Kandidat für eine vollständige Restaurierung.
Nach einem kurzen Gespräch wechselte das Boot den Besitzer, und kaum 10 Minuten später standen wir bereits am Ersatzteilladen auf dem Gelände.
Ein passender Empfänger und ein kleiner LiPo-Akku machten die „Discovery“ noch am selben Nachmittag fahrbereit.
Sie lief erstaunlich gut, ein guter Beweis dafür, dass selbst kleine GFK-Boote mit ein wenig Pflege erstaunlich robust sind.
Nach zwei Tagen Showbetrieb beim MSK St. Peter wurde alles eingepackt.
Bereits auf der Heimfahrt dachte ich über einen vollständigen Neuaufbau nach.
Zwei Tage später in der Vereinswerkstatt stand fest:
Das Boot wird komplett neu aufgebaut – technisch, optisch und seglerisch.
Die Abmessungen des alten Bootes erinnerten stark an die NEW MICRO MAGIC von Hacker-Model. Nach einem kurzen Vergleich war klar:
Viele der Komponenten,wie Mast, Bäume, Rigg-Teile, Segelsatz würden kompatibel sein.
Damit war die neue Plattform gewählt.
Bestellt wurden:
Nach weniger als vier Tagen traf alles ein, perfekte Voraussetzungen für einen vollständigen Neuaufbau.
Zustand vorher:
Der ursprüngliche Zustand zeigte den typischen Alterungsgrad vieler älterer GFK-Boote:
Vergilbtes Deck, ausgeblichene Linien, grobe Übergänge und diverse kleine Kratzer.
Abbau:
Das Boot wurde vollständig zerlegt:
Der Rumpf war nun vollständig „nackt“ und bereit für eine Totalüberarbeitung.
Grob- und Feinschliff
Der komplette Rumpf wurde zunächst mit einem elektrischen Mausschleifer grob abgetragen.
Ziel war es, alle alten Lackschichten und Unebenheiten abzuschleifen, bis kurz vor die reine GFK-Struktur sichtbar wurde.
Anschliessend wurde:
Der Rumpf war danach optisch wie haptisch perfekt, die ideale Basis für eine neue Lackierung.
Aus der Lackierwerkstatt zurück:
Für die neue Lackierung sollte etwas Besonderes her.
Gemeinsam mit meinem Lackierer entschieden wir uns für Nissan Midnight Purple, ein tiefes Violett, dass je nach Licht in anderen Nuancen schimmert – ein Farbton, der auch bei Skyline-Fahrern Kultstatus erreicht hat.
Das Boot wurde:
Das Ergebnis war beeindruckend und verlieh dem kleinen Segler sofort ein modernes, edles Erscheinungsbild.
Neuer Mastaufbau
Auf dem frisch lackierten Rumpf begann der komplette Neuaufbau.
Eingebaut wurden:
Alle Komponenten wurden sauber im Rumpf tariert, um eine stabile Wasserlage zu gewährleisten.
Innenausbau komplett
Die Elektronik wurde sauber fixiert, Kabelwege ordentlich geführt und die Servos präzise eingestellt.
Die Ruderanlenkung arbeitet spielfrei, die Segelwinde zieht gleichmässig, wichtige Punkte für ein kleines Boot.
Durch die Erfahrung eines langjährigen Seglers und Vereinsmitglied, Jörg Saremba, konnte die ganze Takelage sauber aufgebaut werden.
Alle Schriftzüge wurden selbst gezeichnet und geplottet:
Den entscheidenden Impuls gab meine Frau, die in der Werkstatt vorbeischaute:
„Sie soll Vela heissen – Italienisch für Segel.“
Perfekt für ein italienisch anmutendes, elegant gefärbtes Boot.
Kurz darauf stand das nächste Event an:
70-Jahr-Jubiläum des Modell Schiff Club Basel.
Dort wurde die Vela offiziell präsentiert und getauft.
Das Fahrbild überzeugte sofort:
Vela in der Bucht von Spiez
Ein besonders schönes Fahrbild entstand in Spiez, wo sich die Segel im glatten Wasser spiegelten und die Regenbogenreflexionen des 3D-Segels deutlich sichtbar wurden. Ein ästhetisches Highlight.
Zum Abschluss fehlte nur noch ein passender Ständer.
Dieser wurde als massgeschneiderte Version von Teil-Q für unser Boot gefertigt.
Er ist höhenverstellbar, ideal für Transport und Werftarbeiten und wurde bereits separat in einem eigenen Baubericht dokumentiert.
Fazit:
Aus einem kleinen, etwas in die Jahre gekommenen GFK-Boot wurde durch konsequente Überarbeitung ein moderner, eleganter und vollwertiger RC-Segler.
Die Kombination aus hochwertigem Rigg der NEW MICRO MAGIC, der Nissan-Lackierung und der sauberen Technik macht die „Vela“ zu einem echten Hingucker auf jedem Gewässer.
Ein Boot, das als spontaner Fund begann – und heute ein neues Vereinsprojekt mit Charakter ist.
Ein Grosser Dank gilt an die Mitarbeit der Vereinsmitglieder des Modellbau Vereins Modelllabor.
Ein weiterer Dank geht an den wm-medien Verlag (Schiffsmodell) für den tollen Artikel in der Schiffsmodell 06/2026.